Palais Kesselstatt · Trier · Liebfrauenstraße
Ein Barockpalais im Herzen Triers – über 250 Jahre war es das Zuhause unseres Weinguts.
Wer vom Dom zur Liebfrauenkirche geht, bleibt fast unweigerlich stehen: Gleich gegenüber schwingt eine Fassade aus rotem Sandstein vor und zurück, als wolle sie die Kirchen begrüßen. Das Palais Kesselstatt war von 1746 bis 1999 Sitz unserer Weingutsverwaltung. Hier wurden Weinberge verwaltet, Jahrgänge verkauft Gäste empfangen und Wein handwerklich erzeugt.
bis 1746
Thoman
bis 1999
1989
Liebfrauenstraße 9
Eine Fassade, die sich der Liebfrauenkirche zuwendet.
Barock in Sandstein
Gebaut für die Liebfrauenkirche.
Bauherr war Karl Friedrich Melchior von Kesselstatt, Oberamtmann und Geheimrat des Kurfürstentums Trier. Er holte den Mainzer Baumeister Johann Valentin Thoman in die Stadt. Der löste die enge Lage an der Liebfrauenstraße auf seine Weise: Er setzte die Fassade gleichsam auf die Ecke und drehte sie schräg zum Domplatz und zur Liebfrauenkirche.
Der Mittelbau aus Sandstein schwingt vor und zurück. Unten liegt die Tordurchfahrt zwischen zwei Ochsenaugenfenstern, darüber die Beletage mit schmiedeeisernem Balkon und im Giebel das Allianzwappen des Bauherrn und seiner Frau Isabella von Frentz-Kendenich. Die Wappentiere sind Drache und geflügelter Hund, darunter ein lateinischer Vers von 1742: „Insignes isti qui me peperere parentes, sunt canis atque draco – vivat uterque parens.“ Die edlen Eltern, die mich erschufen, sind Hund und Drache: Es lebe jeder von beiden.
Seit 1349
Eine Familie im Dienst des Weins.
Die Kesselstatts kamen im 14. Jahrhundert aus Kesselstatt bei Offenbach ins Kurfürstentum Trier. Schon 1349 ist ein erster Weinkauf belegt – der Ursprung unserer heute über 675-jährigen Geschichte. 1362 wurde Johann von Kesselstatt kurfürstlicher Hofmarschall. 1394 ernannte der Kurfürst seinen Sohn Friedrich zum Hofsommelier.
1776 erhob Kaiser Joseph II. die Familie in den Reichsgrafenstand. Vom Palais aus prägte sie den Weinbau an Mosel, Saar und Ruwer: 1789 wies der Gutsverwalter an, künftig nur noch „reinen grünen Riesling“ zu pflanzen. Später kamen die großen Klostergüter hinzu, darunter der Josephshof in Graach und der St. Irminenhof in Kasel. Die Fäden liefen immer hier zusammen: in der Liebfrauenstraße.
1944 standen vom Palais nur noch die Außenmauern. Nach dem Krieg wurde es nach alten Plänen wieder aufgebaut – die barocke Fassade grüßt die Liebfrauenkirche heute wie vor fast 300 Jahren.
Chronik
Vom Adelshof zum Gutsausschank.
Kurfürsten, Reichsgrafen, Krieg und Wiederaufbau: Das Palais Kesselstatt hat viele Kapitel der Trierer Stadtgeschichte miterlebt.
- 1349 Der erste belegte Weinkauf der Familie Kesselstatt – der Beginn unserer Weingutsgeschichte.
- 1740–46 Johann Valentin Thoman errichtet das Palais gegenüber der Liebfrauenkirche.
- 1746 Die Weingutsverwaltung der Kesselstatts zieht in das neue Palais ein.
- 1776 Kaiser Joseph II. erhebt die Familie in den Reichsgrafenstand.
- 19. Jh. Der benachbarte Bernhardshof der Zisterzienser von Himmerod wird Teil des Anwesens.
- 1944 Im Krieg wird das Palais bis auf die Umfassungsmauern zerstört.
- 1950er Der Wiederaufbau stellt das Äußere und die Durchfahrt im alten Zustand wieder her.
- 1978 Günther Reh erwirbt das Weingut; das Palais wird liebevoll renoviert.
- 1989 Im barocken Torgebäude des Bernhardshofs öffnet die Weinstube Kesselstatt.
- 1999 Der Sitz des Weingutes zieht nach Schloss Marienlay im Ruwertal – Büro und Kellerei unter einem Dach.
- 2005 Das Weingut wird in den VDP aufgenommen – unter der Leitung von Annegret Reh-Gartner, die das Gut von 1983 bis 2016 führte.
Gut zu wissen
Palais, Weinstube und Weingut – was Sie heute wo finden.
Palais Kesselstatt
Mit seiner barocken Fassade prägt das Palais Kesselstatt den Platz zwischen Dom und Liebfrauenkirche.
Weinstube Kesselstatt
Unser Gutsausschank direkt nebenan im Torgebäude des ehemaligen Bernhardshofs, seit 1989 mit familiärer Gastfreundschaft geführt. Täglich geöffnet, mit Sommerterrasse.
Kellerführungen und Weinproben finden in den historischen Gewölbekellern unter dem Palais statt.
Schloss Marienlay
Seit 1999 steuern wir von Schloss Marienlay in Morscheid im Ruwertal, nur wenige Minuten von Trier, den Weinbau an Mosel, Saar und Ruwer. Hier entstehen unsere Weine, vom Kelterhaus bis zum Flaschenkeller.
Weinproben im Weingut von Montag bis Freitag nach vorheriger Terminvereinbarung.
Heute
Eine echte regionale Größe - die Weinstube Kesselstatt
Im barocken Torgebäude des Bernhardshofs, einst Niederlassung der Zisterzienser von Himmerod, liegt die Weinstube Kesselstatt. Mit Blick auf den Dom und die Liebfrauenkirche gibt es hier Winzervesper, Eifeler Wildschweinschinken und eine feine Weinkarte aus unserem Sortiment.
Unter dem Palais erstrecken sich weitläufige Gewölbekeller. Bei Kellerführungen und Weinproben verbinden sich dort 2000 Jahre Trierer Stadtgeschichte mit unseren Rieslingen von Mosel, Saar und Ruwer. Im Außenbereich erinnert eine Nachbildung des Neumagener Weinschiffs daran, dass an der Mosel schon die Römer Wein handelten.
Aus der Weinkarte der Weinstube
Ein Glas auf das Palais.
Die Weine, die in der Weinstube Kesselstatt ausgeschenkt werden, gibt es auch für zuhause – vom unkomplizierten Sommerwein bis zum feinherben Kabinett aus Kasel.
Vom Palais und dem Schloss
Zwei Orte, die einander ergänzen: Das Palais Kesselstatt in Trier und Schloss Marienlay im Ruwertal.
Weitere Lese-Empfehlungen: Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier (nach Dehio), Welt der Wappen, IHK Trier, Weinstube Kesselstatt.
